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Über das Kirchenjahr nachdenken
Mit P. Janusz Turek, Redemptoristenkolleg Maximilianstraße 8, Innsbruck, Herz-Jesu-Kirche.
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Erklärung zur Laieninitiative von Hannes Marcel Bichler
Da sich – wieder einmal – eine „Laieninitiative gegen die Amtskirche“ etabliert hat (diesmal prominent besetzt: www.laieninitiative.at), schicke ich Ihnen mein an diese Vereinigung gerichtetes Schreiben zur Information.
Sehr geehrte Herren (Frauen scheinen offenbar in das Komitee nicht „berufen“ zu sein)!
Und wieder einmal melden sich "mit großer Sorge" die üblichen verdächtigen Teil-, Freizeit- und jetzt offenbar auch Ruhestands-Katholiken zu Wort. Mit Interesse habe ich gelesen „Was will die Laieninitiative?“. Sie sollten zumindest so ehrlich sein zu schreiben, daß sich nicht überall, sondern im westlichen Europa immer weniger junge Männer für den geistlichen Dienst entscheiden. Das könnte in Österreich vielleicht auch damit zusammenhängen, was auch und gerade eine sich selbst als christlich bezeichnende Partei und deren Vertreter in den letzten Jahrzehnten doch so forciert haben: Zurückdrängen der Kirche in der Gesellschaft, Schwächung der Familien, Vernaderung der christlichen Erziehung junger Menschen, etc., etc., etc. Aber das wissen die „Persönlichkeiten“, die Ihnen „ihre teils ideelle, teils aktive Hilfe zugesagt“ haben, wohl am besten. Zur Ihrer Sorge der Überforderung der Pfarrer darf ich ein kleines Beispiel nennen: Im Jahre 2008 standen in Wien den 1,3 Mill. Katholiken 1.195 Priester zur Verfügung, im Jahre 1918 waren es für 2,6 Mill. Katholiken 1.899 Priester. 1918 konnte ein Seelsorger also 1.367 Katholiken betreuen, 2008 hatte er es nur mit 1.100 zu tun. Da es 1918 weder Kirchen- noch Pfarrgemeinderäte gegeben hat - also keine Laienmitarbeit - sehr wohl aber eine höhere Anzahl und umfassendere Gestaltung kirchlicher Feste, zahlreichere Teilnahme von Gläubigen daran und alleinige Verrichtung des Religionsunterrichtes durch Geistliche, u.v.m., kann davon ausgegangen werden, daß 1918 ein Priester offenbar ein weitreichenderes Pensum an Arbeit hatte als heute. Damalige Priester hätten tatsächlich von Arbeitsüberlastung und Krise sprechen können.
Natürlich werden Sie mir jetzt mit den "umfassenderen Aufgaben" kommen, die ein Priester entsprechend der heutigen Zeit in der Gesellschaft erfüllen muß. Vielleicht würde es dann aber der Situation nützen, wenn sich Priester wieder mehr ihren Priesteraufgaben und Laien wieder mehr ihren Laienaufgaben widmen würden. Ansonsten könnte es wohl kaum sein, daß es Fälle in diesem Land gibt, wo Kirchen- und Pfarrgemeinderäte ihren Pfarrern den Dienst nicht erleichtern, sondern erschweren, teils sogar unmöglich machen oder ihren in Zeiten des Priestermangels und der Zusammenlegung von Pfarren doch so notwendigen Pfarrer gleich aus dem Amt jagen. Gerade erst wieder geschehen. Weiters darf übrigens festgehalten werden, dass die katholischen Ostkirchen nicht dem Papst "unterstehen" wie Sie schreiben, sondern diese mit Rom uniert sind und auf Grund ihrer historischen Entwicklung unabhängig agieren, somit eben auch in der Freistellung der Ehe. Das klingt dann aber nicht mehr so reißerisch, oder? Wenn schon keine entsprechende Fachliteratur in Ihren Räumen vorhanden war, so hätten Sie sich zumindest die Mühe machen können, in der bei Grund- und Mittelschülern so gern verwendeten Internet-Enzyklopädie Wikipedia nachzulesen.
Dort steht in auch für Sie einfach verständlicher Form, daß man als unierte Kirchen bzw. offiziell katholische Ostkirchen jene bezeichnet, „die mit der römisch-katholischen Kirche und dem Papst in Rom in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft stehen. Sie feiern den Gottesdienst nach verschiedenen östlichen Riten und stehen in ihrer Tradition und hierarchischen Verfasstheit den anderen Ostkirchen nahe, erkennen jedoch den römischen Papst als Oberhaupt der Weltkirche an“. Die Katholischen Ostkirchen unterliegen daher im Gegensatz zur westlich-lateinischen Kirche nicht dem Codex Iuris Canonici, sondern dem Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium. Aber das würde jetzt wohl zu weit gehen. Es scheint ja eine fixe Idee von Initiativen wie der Ihren zu sein, daß Abschaffung von Zölibat und Frauenweihe die Lösung aller anstehenden Probleme der Kirche darstellen. Ich darf als Mitglied des Forums Deutscher Katholiken Ihr Weltbild etwas zurechtrücken: Die evangelischen Kirchen in Deutschland (hoppla, ohne Zölibat!) legen nicht nur Pfarren zusammen, in Nordeutschland wird inzwischen eine Kirche nach der anderen zugesperrt – und wenn sie nicht leer bleibt und verfällt, dann in welcher Verwendung auch immer wieder aufgesperrt. Übrigens nicht nur aus Mangel an Gläubigen, sondern auch an Geistlichen: Die Zahlen der aus dem Priesterdienst Ausgetretenen sind in manchen evangelischen Bistümern horrend.
Eine weitere Fehlanahme ist die offenbare Überzeugung vieler „besorgter Laien“, Österreich oder Europa wären die Weltkirche, in der übrigens jährlich die Berufungen steigen (nachzulesen im jährlich erscheinenden Annuario Pontificio, ein Tip für Ihre Bibliothek).
Und Priester aus dem Ausland hat es immer schon gegeben. Die Kirchengeschichte wäre arm, wenn das nicht so gewesen wäre. Ich kann mich auch nicht erinnern, einmal eine schlechte Erfahrung mit diesen gemacht zu haben. Wir und Sie werden akzeptieren müssen, daß wir eben wieder zum Missionsland geworden sind. Und an den von Ihnen genannten „fortschreitenden Kirchenaustritten, schwindendem Wissen über den Glauben sowie zunehmender Distanz zum noch immer fruchtbaren Kirchenleben“ ist weniger die Kirche schuld, als jene, die in der Vergangenheit gesellschaftspolitische Verantwortung getragen und eben jene Werte und Grundsätze der Kirche – leider mit Erfolg - ausgehöhlt haben. Es fällt auch auf, daß zwar immer von den Rechten der Laien gesprochen wird (da ist dann auch gleich immer die richtige Stelle aus dem Codex des kanonischen Rechts gefunden), seltsamerweise aber nie etwas über die Pflichten der Gläubigen (wo steht das denn?). Sie schreiben „es muss aber auch das heutige und rein auf das traditionelle geistliche „Amt“ konzentrierte pastorale System grundsätzlich in Frage gestellt werden. Die strikte Trennung des Kirchenvolkes in befugte Angehörige des geweihten Priesterstandes und in untergeordnete Laien beiderlei Geschlechts ist weder biblisch zu begründen, noch entspricht sie unserer heutigen fortgeschrittenen Gesellschaft“. Schön, dann braucht sich ja der Papst keine Sorgen mehr zu machen und kann sich nach Castelgandolfo (das liegt bei Rom) zurückziehen, wenn derartig umfassendes Wissen über Kirche und Glauben in den (sich selbst) berufenden Laien verankert ist. Nur gut, daß sich die Kirche in zweitausend Jahren vom Fortschritt relativ wenig beeindrucken ließ. Es gäbe sie heute wahrscheinlich nicht mehr, wie es mit so mancher Zeiterscheinung geschehen ist. Wie meint doch Otto von Habsburg: Wer sich mit dem Zeitgeist verheiratet, ist morgen verwitwet. Abschließend meinen Sie – sollte Ihr Anliegen fruchtlos bleiben – „muß noch mehr, nämlich ein ebenso verantwortungsvolles wie energisches Drängen aus unserem gläubigen Gewissen erfolgen. Es wird schließlich eine Situation herbeizuführen sein, die von den Bischöfen und dann auch vom Vatikan nicht mehr ignoriert werden kann. Dazu werden in wohlbedachter Reihenfolge alle Möglichkeiten auszuschöpfen sein, die zur Verfügung stehen, um den berechtigten Anliegen des Kirchenvolkes Geltung zu verschaffen“.
Diese Ihre "Sorge" wird dann von Rom Gott sei Dank auch als das verstanden werden was sie ist: eine Drohung. Gemeint haben werden Sie mit dieser Drohung aber wohl nicht den Vatikan, wie Sie schreiben – was ja den unabhängigen Staat bezeichnet - sondern den Heiligen Stuhl (das kann man übrigens auch in Wikipedia nachlesen). Aber das um sich greifende schwindende Wissen Kirche und Glaube betreffend haben Sie ja selbst angeführt.
Es steht Ihnen frei: Stellen Sie Ihre Beitragszahlungen ein (ein sehr christliches Verhalten), feiern Sie Messen mit "formell ausgeschlossenen" Priestern (die gilt dann leider nur eben nicht) und zimmern Sie sich - viel Erfolg übrigens! - Ihre eigene Welt zusammen. Frei nach dem Motto der einstmals so beliebten ORF-Kindersendung ''Zeichnen, malen, formen'': Wir basteln uns unsere eigene Kirche. In Christo! Hannes Marcel Bichler (mündiger Laie der römisch-katholischen Kirche) Hannes Marcel Bichler ist Koordinator des Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio und des Ordine dei Santi Maurizio e Lazzaro von Projekten mit dem Päpstlichen Rat Cor Unum (Hl. Stuhl); Förderer und Hilfskoordinator für kirchliche Einrichtungen in Osteuropa (Rumänien/Modawien); Förderer des Priesterseminars des Lateinischen Patriarchats (Palästina); Mitarbeiter des Katholisch-Muslimischen Dialogs von Prinz Ghazi von Jordanien (Hl. Stuhl/Jordanien); Mitglied der Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft (Deutschland); Mitglied des Forums Deutscher Katholiken (Deutschland).


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